Frustration

Ein Auszug aus „Negative Gefühle?“

In unserer Kultur der Konkurrenz mit ihrer Anbetung von Erfolg und Macht, gehört Frustration zu den am meisten unterdrückten Gefühlen. Sind wir frustriert, greifen wir meist zu Schokolade, Fernsehen oder anderen kurzlebigen Mitteln, um uns abzulenken und unsere Stimmung künstlich anzuheben. Oder wir »helfen« uns mit einem mentalen Klimmzug nach dem Motto: »Es hat wohl nicht sein sollen«.

Dabei gehört Frustration zu der Art, wie wir Menschen Dinge verwirklichen. Denn meist sind wir nicht wie die Götter, die (so hörte ich) direkt und blitzartig ihre Wünsche materialisieren.

Wenn wir Menschen Dinge verwirklichen, dann bauen wir sozusagen Brücken: zwischen Entwurf und Verwirklichung, zwischen Idee und Materie. Frustration gehört zu dem Material, das wir dabei verarbeiten. Die Erfahrungen und Informationen, die sie uns liefert, helfen uns, unsere Ideen und die materielle Wirklichkeit immer näher zusammenzubringen.

Wenn wir Frustration unterdrücken und vermeiden müssen, dann führt das dazu, dass wir vorzeitig aufgeben oder ein neues Projekt gar nicht erst in Angriff nehmen. Sind wir dagegen in der Lage, Frustration in ihren verschiedenen Aspekten zu erspüren und zu verarbeiten, ermöglicht uns das, aus Fehlern zu lernen und unsere Ideen immer wieder neu und näher an der Wirklichkeit auszurichten.

Frustration als zusammengesetztes Gefühl

Ein Teil von Frustration ist Traurigkeit: Wir hatten uns in der Vorfreude das erhoffte Ergebnis schon zu eigen gemacht und fühlen nun den Verlust (herausgeforderte Wertschätzung).

Können wir diesen Aspekt der Frustration erspüren, bringt uns das in Kontakt mit dem, was wir da wertschätzen. Das wiederum brauchen wir, wenn wir unser weiteres Handeln näher an der Wirklichkeit orientieren wollen, ohne den Kern dessen zu verlieren, um was es uns da im Grunde geht.

Ein anderer Teil ist Wut: Wir wollten etwas Wichtiges erreichen und fühlen uns darin behindert (herausgeforderter Wille). Wenn wir diesen Aspekt der Frustration erspüren und in Besitz nehmen, erneuert das unsere Entschiedenheit, uns trotz und angesichts der Hindernisse für unsere Wünsche einzusetzen. Das wiederum brauchen wir, um unsere Kreativität anhand der real vorhandenen Hürden zu entfachen und unsere Schritte an das vorhandene Terrain anzupassen.

Frustration aus der Vogelperspektive

Wenn wir uns ein Ziel setzen, schreiben wir uns in der Schule des Lebens in einen Kurs ein, bei dem wir nicht genau wissen, was alles auf dem Lehrplan steht.

Wenn wir mit den Lektionen hadern, die uns das Leben präsentiert, dann ist es sinnvoll, sich zu fragen: »Habe ich mir (unbewusst) ein Ziel gesetzt, das jetzt zu diesen Lektionen führt?« Verbinden wir uns so mit dem Sinn unserer Bestrebungen, kann uns das helfen, die vorhandenen Herausforderungen und Lektionen willkommen zu heißen.

Loslassen um zugreifen zu können

Frustration hilft uns auch, wenn wir uns zu sehr mit unserem Tun und den vorgestellten Ergebnissen identifiziert haben. Sie fordert uns dann auf, innerlich einen Schritt zurück zu treten und in unserem Sein zentriert zu sein, statt in unserem Tun. Das ist manchmal nötig, um die Frustration in der oben beschriebenen Weise nutzen zu können.