Die Dreifache Integration für jeden Einzelnen

Die globale Krise, in der wir leben, wird durch drei Trennungen gekennzeichnet:

die Trennung des Menschen von sich selbst, die Trennung des Menschen von seinen Mitmenschen und die Trennung des Menschen von der Natur.

Alle diese Trennungen verstärken sich gegenseitig, doch die Trennung des Menschen von sich selbst ist grundlegend:

So wie wir mit unseren Gefühlen umgehen – wir sind von ihnen getrennt und versuchen, sie zu beherrschen –

so gehen wir mit unseren Nächsten, so gehen wir mit der Erde um.

Wir brauchen die Dreifache Integration.

Die dreifache Integration für jeden Einzelnen

Du. Ich. Jeder von uns. Sind wir isolierte, von ihrem Umfeld getrennte Wesen? Ist ein Individuum denkbar, das ohne Bezug zu anderen Menschen, ohne Bezug zur natürlichen Umwelt entsteht, sich entwickelt und glücklich ist? Wenn ich diese Fragen so stelle, ist die Antwort klar: „Natürlich nicht!“ Wir sind eingewoben in ein Geflecht vielfältiger Einflüsse und wirken selbst darauf ein. Trotzdem suchen wir meist unser persönliches Glück als Einzelwesen. Früher oder später aber bekommen wir es mit einer einfachen Wahrheit zu tun: Wir können als abgetrennte Einzelwesen nicht kraftvoll lebendig und glücklich sein.

Die Kraft der Verbundenheit
Lebendige Kraft liegt in der Verbundenheit. Wir fühlen sie, wenn wir nach innen hin verbunden sind mit unseren Gefühlen und unserem Seelenursprung. Wenn wir integriert sind in eine lebendige Gemeinschaft, die unseren individuellen Selbstausdruck fördert. Und wenn wir fühlbar Kontakt mit der Erde haben, mit der Natur, deren mit-gestaltender Teil wir sind. Das sind drei Ebenen der Verbundenheit, drei Aspekte lebendiger Kraft. Nennen wir sie „verbundene Kraft“: die Verbindung mit uns selbst, mit unseren Mitmenschen und der Natur.

Jeder Einzelne von uns ist jedoch von der dreifachen Trennung betroffen und dadurch mehr oder weniger von den drei Ebenen verbundener Kraft abgeschnitten. Und wenn wir uns dann getrennt und kraftlos fühlen, denken wir, es liege nur an uns. Wir müssten nur ausreichend an uns selbst arbeiten, aus uns selbst heraus die Kraft schöpfen, uns zu verändern – und dann würde alles gut.

Diese  Sichtweise hält uns schwach und hilflos, weil sie wichtige Ebenen der verbundenen Kraft ausklammert. Trotzdem ist sie weit verbreitet. Sie entspricht dem Konzept von Kraft, das in unserer westlichen Kultur noch vorherrscht: der Konkurrenz der Einzelnen um ihren Vorteil und ihr persönliches Glück. Doch selbst wenn wir diesem Konzept gemäß voran kommen, kann uns diese Form von „getrennter Kraft“ nicht befriedigen. Was das Wesentliche betrifft, bleiben wir dabei isoliert und leer.

Und selbst wenn wir uns aus dem Kampf um materielle Vorteile zurückziehen und uns stattdessen unserem inneren Seelenheil widmen: Wenn wir dabei unsere Gefühle zu unserem sozialen Umfeld und der Natur ausklammern, bleiben wir in wesentlichen Aspekten getrennt und hilflos. Es gilt, auf allen drei Ebenen die Kraft der Verbundenheit wieder herzustellen. Es gilt, die Dreifache Integration im eigenen Leben zu praktizieren.

Die Trennung von uns selbst

Der Dreh- und Angelpunkt bei der Trennung von uns selbst ist die Trennung von unseren Gefühlen. Sie trennt uns von den inneren Quellen unserer Lebendigkeit und unserer Seele und zwingt uns, eine künstliche Kontrollinstanz in uns zu bilden, die wir dann für unser „Ich“ halten.

Diese Trennung wird auch zur Ursache der beiden anderen Trennungen: Im ständigen Versuch verstrickt, unsere Gefühle einzudämmen und zu kontrollieren, können wir weder anderen Menschen nah sein, noch spüren wir unsere Verbindung mit der Natur in all ihrer Tiefe und Tragweite. So von uns selbst und den uns tragenden Verbindungen getrennt, suchen wir dann nach einem Ausweg. Solange wir nicht die drei Ebenen der verbundenen Kraft für uns in Anspruch nehmen, werden wir uns dabei im Kreise drehen.

Emotionale Integration
Das ist der Ausgangspunkt, um unseren Kontakt zu den verschiedenen Ebenen unserer Verbundenheit wieder zu öffnen. Dass wir in einem so großen Maß von unseren Gefühlen getrennt sind, ist kein natürlicher Zustand. Diese Trennung wird vielmehr in unserer Gesellschaft kultiviert. Sie erzieht uns in dem Glauben, dass es Gefühle gibt, die von Natur aus negativ sind. Dieser Glauben durchzieht jeden Aspekt des alltäglichen Lebens und stellt sich als allgemein gültige Wahrheit dar. Die Folge ist, dass wir jedes Mal, wenn sich ein so genanntes „negatives Gefühl“ regt, dieses als unangenehm empfinden und versuchen, es zu vermeiden oder zu unterdrücken. Es gilt, sich von der Indoktrination mit diesem Konzept der „negativen“ Gefühle zu befreien. Mehr dazu in meinem Ebook „Negative Gefühle?“

Darüber hinaus geht es ganz praktisch um unsere Integrationsfähigkeit. Wir sind nicht nur mit der Fähigkeit zu fühlen ausgestattet, sondern auch mit der Fähigkeit, alle Gefühle zu verarbeiten und zu integrieren. Es gilt diese Fähigkeit zu stärken und zu entwickeln. So können wir die Wunden unserer Vergangenheit heilen und lernen, alle aufkommenden Gefühle in unseren Sinn für Wohlgefühl zu integrieren. Eine Methode, die genau das bewirkt ist Samaya ..

Unsere Seele als korigierende Kraft
Unsere Seele ist nicht umsonst so geartet. dass wir etwas fühlen, wenn wir Unrecht erfahren. Unsere durch solche Situationen herausgeforderten Gefühle sind unsere natürlichen Abwehrkräfte gegen menschen- und naturfeindliche Machtstrukturen. Unsere Gefühle sind die Heilkräfte dieses kranken Systems.

Angesichts dessen hören wir dann auf, Teil des Problems zu sein, wenn wir unsere herausgeforderten Gefühle ernst nehmen und es zulassen, dass sie zu Heilkräften werden – für uns selbst und unsere Umgebung. So wird unsere Seele wieder zur korrigierenden Kraft, die sie sein kann. So werden wir zum Teil der Lösung für uns und die menschliche Gemeinschaft, in der wir leben und deren mit-gestaltender Teil wir sind.

Die eigene Heilung, die Dreifache Integration und der "therapeutische Tunnelblick"

Wenn ich von der emotionalen Integration spreche, von der Notwendigkeit, die eigenen Gefühle zu verarbeiten und zu integrieren, können das die meisten schnell nachvollziehen. Jeder kennt es, das Leiden an „unangenehmen“ Gefühlen und den Wunsch, sich wieder gut zu fühlen – vollständig, als ein Ganzes.

Manchmal aber bleibt der Horizont der emotionalen Heilung auf die „eigene“ Vergangenheit und die „eigenen“ Gefühle reduziert. Die dreifache Integration? Gemeinschaft mit anderen? Integration in die Natur? Ist das nicht ein bisschen weit hergeholt? Erst einmal muss ich doch mit mir selbst klarkommen! So, oder so ähnlich ist oft die innere Haltung zu diesem Thema.

Ja, die eigenen Gefühle verarbeiten und integrieren zu können ist grundlegend. Aber wenn wir das tun, stellen wir fest, dass viele unserer Gefühle sich auf die Beziehungen mit anderen Menschen beziehen. Auf verletzendes Verhalten, auf unbefriedigende Kommunikation, auf lieblose Begegnungen, auf ungerechte und frustrierende Situationen in unserer Gesellschaft. Wenn wir uns dann nach innen wenden, diese Gefühle annehmen und sie bejahen, dann führt das dazu, dass wir mit uns selbst in Einklang kommen.

Das ist wichtig und ein guter Anfang – wenn es dann weiter geht. Doch in weiten Kreisen von Therapie und Spiritualität herrscht ein Tunnelblick vor, der die Ursache unseres „innerpsychischen Leids“ nur in unserer Vergangenheit sieht. Es entsteht eine Idelogie, die besagt, dass unsere jetzige Realität im Grunde in Ordnung sei. Wenn wir Schwierigkeiten mit ihr haben, dann liege das an unser Kindheit, flüstert sie uns ein. Wenn wir leiden, wenn wir mit unserem Leben nicht zufrieden sind, dann müssten wir eben an uns arbeiten und gegebenenfalls Therapie in Anspruch nehmen.

Diese Sichtweise schwächt unsere Heilungschancen, weil zur Heilung dazu gehört, dass wir den Standpunkt unserer Seele einnehmen; dass wir  Position beziehen gegenüber Leid erzeugenden Zuständen – und das kann nur dann vollständig und kraftvoll sein, wenn es sich nicht nur auf unsere Vergangenheit bezieht.

Mehr zum therapeutischen Tunnelblick

Der therapeutische Tunnelblick verleugnet die Kontinuität des Leids

Ja, viele unserer aktuellen Gefühle werden durch unerlöste Gefühle bezüglich unserer Vergangenheit aufgeladen. Aber sie werden heute ausgelöst – durch Situationen der Gegenwart, die jetzt genauso unbefriedigend sind. Wenn wir jetzt eine menschlich befriedigende Lebensweise genießen würden, wären die Wunden aus der Vergangenheit längst geheilt. Wir begegnen derselben Leid erzeugenden Lebensweise mehrmals: Als Kind, wenn wir hilflos darunter leiden und später immer wieder. Jedes Mal steht die Frage an, was wir mit den herausgeforderten Gefühlen machen. Sie ernst zu nehmen heißt zweierlei: Im ersten Schritt gilt es, sich von den Vorgaben der Anti-Gefühls-Kultur zu lösen, die diese Gefühle als negativ bezeichnet und unterdrückt halten will. Und im zweiten Schritt heißt es, Position zu beziehen und aktiv zu werden für echte Begegnung, für Formen des menschlichen Zusammenlebens, die befriedigender sind.

Der Tunnelblick blockiert die korrigierende Kraft der Seele

Es gibt eine korrigierende Kraft gegenüber Unrecht, fehlender Geborgenheit und Missbrauch in unserer Welt. Es sind unsere Gefühle, die von den Leid erzeugenden Zuständen ausgelöst werden. Unsere Seele ist mit allen inneren Sinnen ausgestattet, die es für ein harmonisches, liebevolles Miteinander braucht. Es gilt, die korrigierende Kraft unserer Seele freizusetzen.

Wie kann das geschehen? Wir sind Teil dieses Systems. Wir tragen beides in uns: zum einen die Konzepte, die uns von unseren Gefühlen und allen darin liegenden Verbindungen trennen und zum anderen die natürlichen Gefühle selbst, die durch die unmenschlichen Zustände herausgefordert werden. Solange wir mit bestimmten Konzepten („das ist nur das Ego“, „da musst du drüber stehen“, etc) diese Gefühle unterdrücken, hat das System (die Krankheit) in uns die Überhand. Sobald wir zu unseren herausgeforderten Gefühlen stehen und sie für eine menschlichere Lebensweise wirksam werden lassen, werden wir zum Teil der Heilung.

Diese Gefühle anzunehmen und zu integrieren heißt auch die korrigierende Kraft dieser Gefühle freizusetzen. Der therapeutische Tunnelblick lässt dies nicht vollständig zu und nimmt so die traumatisierenden Zustände in Schutz.

Die Trennung von unseren Mitmenschen


Diese Trennung wirkt sich auf vielen Ebenen aus. Sie zeigt sich in unserer Wirtschafts- und Gesellschaftsstruktur und der Tatsache, dass wir auf wichtige Entscheidungen keinen direkten Einfluss haben. Auch wenn wir bezüglich dieser Entscheidungen oft hilflos sind: wir können daran gehen, immer mehr Räume des Einflusses zurück zugewinnen. Wir können auf dem Wochenmarkt bei regionalen Bauern einkaufen und die Verbindung mit ihnen pflegen. Wir können uns auf Basis-Ebene mit anderen organisieren und gemeinsame Interessen verwirklichen. Tauschmärkte, Bürgerinitiativen und alternative Projekte sind Beispiele dafür.

Eine ganz unmittelbare Ebene der Trennung von unseren Mitmenschen aber hat mit den zwei Parallelwelten zu tun, in denen wir oft leben: in der einen spielen wir eine Rolle nach außen hin und von der anderen soll möglichst niemand etwas wissen.

Die „gesellschaftsfähige“ Maske aufrecht zu erhalten isoliert uns zusätzlich, weil die dadurch erlebten Kontakte hohl sind und unser Bedürfnis nach Verbindung nicht befriedigen können. Eine Maske tragen zu müssen, verstärkt das Gefühl, auf dieser Welt nicht zuhause zu sein und untergräbt unsere Lebenslust. Doch manchmal zeigt sich unsere Sehnsucht nach echter Verbindung. Untergründig quält uns dann die Einsamkeit, und eine nagende Unzufriedenheit drängt uns, etwas zu verändern.

Zu dieser Unzufriedenheit zu stehen verlangt Mut. Denn unser Drang nach Zugehörigkeit hindert uns daran „aus der Reihe zu tanzen“. Doch wenn wir uns um der Zugehörigkeit willen andauernd verstellen, werden wir wahre, nährende Zugehörigkeit niemals erleben können. Allenfalls Schein-Zugehörigkeit.

Und wenn das Verstellen zur Gewohnheit wird, werden wir auch nicht in den Kreis derer gelangen, die echte Begegnung wertschätzen. Es gibt also nur einen Weg zu echter Zugehörigkeit: Wir befreien uns innerlich von den Verstellungs-Zwängen und suchen und pflegen bewusst Beziehungen mit Menschen, die uns so annehmen, wie wir tatsächlich sind. Mit unseren Stärken und Schwächen, mit unserem Schmerz und unserer Freude. So bilden und entwickeln wir selbst einen Kreis von Menschen, der echte Zugehörigkeit ermöglicht.

Auch unsere nächsten Beziehungen, zu unseren Eltern, Partnern, Kindern können vom Gift der Trennung infiziert sein. Es steht dann an, zu lernen, wie wir auf eine Art mit einander kommunizieren können, die Konflikte löst und immer mehr Verbindung schafft, wo vorher Unverständnis und Trennung war.

Hilfreiche Werkzeuge für die Verbindung mit anderen:
Gewaltfreie Kommunikation nach M. Rosenberg
Ehrliche Kommunikation die Verbindung schafft
In Deutschland | In Österreich | In der Schweiz und online

Amaridiane – Energiebahnen der Liebe
Zur energetischen Klärung von (Liebes-)Beziehungen
Mehr über die Amaridiane …

Co-counceling
Co-Counceling in Deutschland

Die Trennung von der Natur

Wir sind biologische Wesen. Unser Wohl und Gedeihen hängt unmittelbar damit zusammen, wie es mit unserer Einbettung in eine intaktes Biosystem aussieht. Fehlt uns das, kranken Körper und Seele, ohne dass uns der Zusammenhang ohne Weiteres bewusst ist. Wer das Glück hat, in einer ländlichen Gegend zu leben, kann natürlich leichter für die nötige Portion an Naturkontakt sorgen. Wer aber in einer Großstadt wohnt, ist von vornherein auf dieser Ebene der Verbindung benachteiligt und muss um so dringender für Ausgleich zu sorgen. Regelmäßig in den Wald gehen, wandern und dabei still werden, das sind Möglichkeiten, die etwas Ausgleich schaffen und uns auftatmen lassen.

Die stärkste Verbindung mit der Erde aber werden wir spüren, wenn wir uns enger mit dem Kreislauf der Natur verbinden und einen Teil unserer Nahrung selbst anbauen – auch wenn es nur wenig ist. Abfälle kompostieren, ein Stück Erde pflegen, Samen aussähen, Pflanzen heranwachsen sehen und dann die Ernte in den Händen halten: nichts kann diese Erfahrung ersetzen. Das sind Handlungen, die uns direkt mit den Zyklen der Erde verbinden und die uns Dinge lernen lassen, die durch keine Lektüre zu erlangen sind. Im kleinsten Maßstab kann das auch erfahren, wer sich ein paar Pflanzen auf dem Balkon zieht. Wer tiefer in diese Materie einsteigen will, findet bei Tiefenökologie und Permakultur gute Quellen:

Permakultur –>

Tiefenökologie –>

Die Neue Welt beginnt zusammen
Die westliche Zivilisation hat unendlich viel psychisches Leid verursacht und die Welt mit Gewalt und Zerstörung überzogen. Dieses System ist krank und wir mit ihm. Wir können uns von den krankmachenden Aspekte in uns selbst verabschieden und die Heilungskräfte in uns aktivieren. Wenn wir das als Einzelne in unserem Umfeld tun, setzen wir wertvolle Impulse.

Vielmehr Kraft und Potenzial aber hat es, wenn wir Gemeinschaften gründen, die es sich zur Aufgabe machen, die Dreifache Integration zu kultivieren. Diese können zu Samen werden, zu Keimlingen für eine neue Kultur des Zusammenlebens, eine neue Chance für die Welt.

Hier mehr zu Gemeinschaften der Dreifachen Integration –>: